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Prof. Dr. Sucharit Bhakdi ist ein erimitierter (also pensionierter) Professor, im Jahr 2020 74 Jahre alt und seit  2012 - also seit 8 Jahren - im Ruhestand. Dass er ständig in der Presse noch immer zu Stellungnahmen herangezogen wird verwundert mich, da jemand, der schon so lange aus dem Berufsleben ausgeschieden ist vermutlich nur mehr eine eingeschränkte Sicht auf eine Situation hat und verständlicherweise nicht mehr auf dem neuesten Stand der Wissenschaft ist.

 

 

 

 

 

Die Maßnahmen sinnlos und selbstzerstörerisch“, so urteilt bereits der Titel des Videos von Professor Sucharit Bhakdis. Das Coronavirus würde völlig überschätzt. Auf Youtube wird es millionenfach geschaut, ebenso sein zweites Video, in dem er sich in einem offenen Brief an die Kanzlerin wendet. Was ist dran an seinen Thesen?

Videos von Professor Sucharit Bhakdi:

  • Corona-Krise: Offener Brief an die Bundeskanzlerin von Prof. Sucharit Bhakdi
  • Prof. Dr. Sucharit Bhakdi – Corona-Krise Nachtrag 2 – Schreckensszenario Italien
  • Prof. Dr. Sucharit Bhakdi – Corona-Nachtrag 1: Belastbarkeit des Gesundheitssystems
  • Corona-Krise: Prof. Sucharit Bhakdi erklärt warum die Maßnahmen sinnlos und selbstzerstörerisch sind

Die Kommentare unter den Videos zeigen, dass ihn viele User als Experten wahrnehmen. Ist er das wirklich? Es gibt zwar viel Kritik darunter, aber durchaus auch Zuspruch. Ein ähnliches Bild zeigte sich auch beim Video von Dr. Wolfgang Wodarg, der ebenfalls auf Youtube mit seinen Aussagen für viel Verwirrung sorgte, aber auch Unterstützung bekam von Usern, die den Umgang mit der Corona-Pandemie in Deutschland für übertrieben halten.

Was ist also dran an den Thesen und vor allem an den scheinbaren Fakten, die im Video von Professor Sucharit Bhakdi angeführt werden, um die Gefahr des Coronavirus als völlig übertrieben und die Maßnahmen dagegen als zerstörerisch zu bezeichnen? Das Schwierigste vorab: Es fallen viele Zahlen, aber nirgends Quellenangaben.

These 1

Das Virus töte nicht allein, sondern nur im Verbund mit anderen Krankheiten

Bhakdi zweifelt zunächst daran, dass die Zahlen, die als Todesfälle durch Corona angegeben würden, korrekt sind. Die Todesraten zum Coronavirus seien nicht aussagekräftig, behauptet er: Dadurch, dass es in Verbindungen mit anderen Erkrankungen zum Tod führe, würde das Virus gefährlicher eingeschätzt als es tatsächlich ist. „Wenn ein Virus nicht selbst tötet oder allein tötet, sondern nur im Verbund mit anderen Krankheiten, dann darf man dem Virus nicht die Schuld alleine in die Schuhe schieben.“

Richtig ist: Bestimmte Risikogruppen sind anfälliger für schwere Verläufe bei COVID-19. Das ist ähnlich wie bei einer Grippe. Besonders betroffen sind ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen. Mehr als 95 Prozent der am neuen Coronavirus gestorbenen Menschen in Europa sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über 60 Jahre alt gewesen. Auch chronische Vorerkrankungen seien ein Faktor, der bei 80 Prozent der Betroffenen eine Rolle gespielt habe, insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankung, Bluthochdruck oder Diabetes.

Falsch ist: Nur weil jemand alt ist, ist er nicht gleich krank. Nicht jeder ältere Mensch, der dem Coronavirus erliegt, verstirbt „in Verbund mit anderen Krankheiten“, wie Bhakdi den Anschein erweckt. Und: Es trifft nicht ausschließlich Alte oder Menschen mit Vorerkrankungen.

Nach Angaben der WHO haben 10 bis 15 Prozent der Menschen unter 50 Jahren mit der Lungenkrankheit einen mittelschweren bis schweren Verlauf. „Schwere Fälle der Krankheit sind in Menschen im Teenageralter oder ihren 20ern gesehen worden, viele davon brauchten eine Intensivpflege und einige starben leider“, sagte Kluge.

Das ist nicht die Regel, wie uns Tropenmediziner Peter Kremsner im Gespräch mit SWR3 bestätigt: „Auch junge Menschen können schwer erkranken, das ist aber weiterhin die sehr große Ausnahme.“ Dennoch: Je mehr Fälle es gibt, desto höher die Wahrscheinlichkeit für solche Ausnahmen.

In den sozialen Netzwerken werden vielfach die Untersuchungen von Professor Klaus Püschel, Hamburger Rechtsmediziner, als Bestätigung der Aussagen von Bhakdi angeführt. Das ist nicht ganz richtig. Denn dieser hat nach eigener Aussage 50 angeblich an COVID-19 verstorbene Patienten, ausschließlich in Hamburg, untersucht. Diese hatten wohl alle Vorerkrankungen, was der aufgeführten gängigen Experten-Haltung eines hohen Anteils dieser Gruppe nicht widerspricht. Püschel fordert mehr Obduktionen von Menschen, die an einer Erkrankung mit dem Coronavirus verstorben sind, um klarere Aussagen darüber treffen zu können, wie tödlich es tatsächlich ist.

Wichtig außerdem: Püschel bezieht seine Prognose, nach der die Zahl der Verstorbenen sich in diesem Jahr durch die Pandemie nicht sonderlich verändern werde, ausdrücklich auf die Todeszahlen speziell in Deutschland. Ausschlaggebend seien, so sagte er im Interview im ZDF, die hierzulande getroffenen Maßnahmen.

Fazit: Das Virus kann auch ohne andere Erkrankungen tödlich sein. Betroffen sind nicht ausschließlich alte Menschen. Wie hoch der Anteil genau ist, lässt sich auf der vorhandenen Datengrundlage noch nicht feststellen.

These 2

In Norditalien und China sei die Pandemie wegen der Luftverschmutzung schlimmer

Man vergesse, sich andere Faktoren anzusehen bei den Krankheitsverläufen von COVID-19, beklagt Bhakdi. Norditalien sei das China Europas, beide Länder hätten eine enorme Luftverschmutzung. Während der Professor gerade also noch sagte, dass das „Virus nicht selbst tötet oder allein tötet, sondern nur im Verbund mit anderen Krankheiten“, erweitert er nun das Feld für äußere Einflussfaktoren wie die Luftverschmutzung. Die Lungen der Menschen in diesen Regionen seien anders vorbelastet, möglicherweise zählt er diese Vorbelastung in die Definition von „andere Krankheiten“ – tatsächlich ist eine Vorbelastung aber noch keine Krankheit.

Richtig ist: Die Karte der Europäischen Umweltagentur EEA zeigt: Italien hat im Vergleich zu anderen westeuropäischen Staaten den meisten Feinstaub in der Luft. Insbesondere die Region Norditalien ist tatsächlich jedenfalls hinsichtlich des Feinstaubs stark belastet. Es gibt Studien, die auf einen Zusammenhang zwischen COVID-19-Fällen und Luftverschmutzung hindeuten.

Falsch ist: Dass der Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und der Corona-Pandemie bereits wissenschaftlich fundiert geklärt wäre. Der Berliner Virologe Christian Drosten sagt in seinem Podcast, dass „einiges darüber spekuliert werde“, dass aber weitere Faktoren auch zu berücksichtigen seien – wie beispielsweise eine Vorbelastung der Lunge durch das Rauchen. So sei für Drosten eine mögliche Erklärung dafür, dass in China mehr Männer als Frauen an COVID-19 erkrankt sind, dass „in China vor allem die Männer rauchen“. Auch andere Experten halten dies für möglich, es gibt erste Studien dazu aus China – ebenso wie Studien, dass Männer häufiger von schweren Verläufen betroffen seien als Frauen. Das liegt allerdings vermutlich nicht an den Genen, sondern an unterschiedlichem Verhalten, wie SWR Wissen hier aufschlüsselt.

Ende April kam hierzu eine neue Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg heraus: Die Forscher sind die ersten, die konkrete Zahlen – und damit neue Hinweise – zum möglichen Zusammenhang zwischen Luftschadstoffen und Corona vorgelegt haben. Hier findest du mehr Infos zur Studie.

Fazit: Ganz sicher, wie genau welche Faktoren – beispielsweise die Luftverschmutzung – mit der Ausbreitung des Virus und den Krankheitsverläufen zusammenspielen, ist man sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Studien liefern aber Hinweise darauf hin, dass der Einfluss von Luftschadstoffen durchaus eine Rolle spielt.

These 3

99 Prozent der infizierten Menschen hätten keine oder nur leichte Symptome

Die Statistik zu den Erkrankten am neuartigen Coronavirus sei falsch, so die Überzeugung von Bhakdi. Auf der Anzeigetafel des Professors im Youtube-Video sind es sogar 99,5 Prozent der Infizierten, die angeblich keine oder nur leichte Symptome hätten. Hieraus sei abzuleiten, dass es falsch und „eigentlich nicht erlaubt sein dürfte, von 10.000 Erkrankten zu sprechen. Sie sind nicht krank.“

Richtig ist: Viele Menschen, die an Corona erkranken, haben nur leichte oder vielleicht auch gar keine Symptome, da sind sich Experten einig.

Falsch ist: Bhakdi führt hier eine Zahl an, die er eigentlich gar nicht haben kann. Eine Zahl zu Patienten, die keine oder nur leichte Symptome hätten. Woher hat er sie? Er gibt keine Quelle an. Das Problem ist ja tatsächlich, dass es vermutlich eine hohe Dunkelziffer an Infizierten geben wird, die gar nicht wissen, dass sie das Coronavirus bereits hatten. Aber kein Experte kann diese Dunkelziffer zum jetzigen Zeitpunkt verlässlich benennen. Klar: Niemand geht zum Arzt, wenn er völlig symptomfrei ist, bekommt einen Corona-Test und lässt sich in die Statistiken einrechnen.

Es gibt Schätzungen zur Dunkelziffer, wie SWR Aktuell hier zeigt – die aber auch als Hochrechnungen oder Schätzungen bezeichnet werden müssen. Mittlerweile sind Forscherteams beispielsweise in München unterwegs, um mithilfe von Freiwilligen genau dieser sehr wichtigen Dunkelziffer näher zu kommen. Sie nehmen Blutproben und untersuchen auf Antikörper, die sich etwa ein bis zwei Wochen nach der Infektion bilden. Insgesamt 3.000 zufällig ausgewählte Haushalte wollen die Wissenschaftler des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität in München in die Untersuchung einbeziehen. Im Moment gibt es dazu aber keine verlässlichen Angaben.

Seit rund zwei Wochen wird auch im Kreis Heinsberg geforscht, wie weit sich das Coronavirus dort bereits ausgebreitet hat. Der Virologe Hendrik Streeck hat erste Zwischenergebnisse präsentiert: Demnach sei in der besonders betroffenen Gemeinde Gangelt bei 15 Prozent der über 500 Probanden eine aktuelle oder bereits überstandene Infektion nachgewiesen worden. Virologe Streeck betonte auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf, dass die Zwischenergebnisse nicht auf das gesamte Land übertragen werden könnten. Die Einschränkungen im öffentlichen Leben bezeichnete er als „richtig und wichtig“. Zunächst wurde die Untersuchung vielfach als Beleg dafür angeführt, dass Maßnahmen in Deutschland gelockert werden müssten – dann gab es massive Kritik für die Methodik, mit der gearbeitet wurde sowie die Art und Weise, wie man die Zwischenergebnisse präsentiert hat.

Quelle: SRW3

 

 

Warum Sucharit Bhakdis Zahlen falsch sind

 

 

 

 

 

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